Wenn Stillen zum Gewissenskonflikt wird

Am 3. März besuchten wir im Europäischen Parlament in Brüssel die Kunstausstellung der Organisation Child Rights International Network (CRIN) „Born Polluted – Wie kann die EU Kinder vor gefährlichen Chemikalien schützen?“

Die Ausstellung zeigt eindrücklich, dass Kinder bereits vor oder kurz nach der Geburt mit schädlichen Chemikalien aus Umwelt und Alltagsprodukten belastet sein können. Ziel der Ausstellung ist es, auf die gesundheitlichen Risiken aufmerksam zu machen und strengere politische Maßnahmen zum Schutz von Kindern vor Umweltverschmutzung einzufordern.

Sie stellt zugleich eine grundlegende Frage: „Welche Welt schaffen die politischen Entscheidungen von heute – und welches Vermächtnis hinterlässt die Europäische Union den Kindern von morgen?“

Besonders eindrucksvoll sind die Fotografien des italienischen Fotojournalisten Stefano Schirato. Seine Arbeiten dokumentieren die Auswirkungen anhand konkreter PFAS-Schadensfälle in Italien.

Im Austausch mit der italienischen Bürgerinitiative Mamme NO PFAS erfuhren wir mehr über den PFAS-Skandal rund um das ehemalige Chemieunternehmen Miteni in der Region Venetien. Dieser gilt als eine der schwerwiegendsten Umweltkatastrophen Europas. Über Jahrzehnte – von den 1960er Jahren bis zur Schließung der Anlage im Jahr 2018 – gelangten Ewigkeitschemikalien in die Umwelt.

Mehr als 180 Quadratkilometer sind heute kontaminiert. Besonders betroffen ist die Provinz Vicenza, doch die Verschmutzung reicht bis in die Provinzen Padua und Verona. Ausgangspunkt war eine Industrieanlage im Ort Trissino. Rund 350.000 Menschen sind von der Belastung betroffen. Die Chemikalien haben dabei den zweitgrößten Grundwasserleiter Europas kontaminiert und die Trinkwasserversorgung massiv gefährdet.

Besonders bewegend war der Austausch mit den Betroffenen. Viele trugen T-Shirts mit den Namen ihrer Kinder oder Enkelkinder – darunter deren erschreckend hohen PFAS-Blutwerte. Aktivistinnen aus verschiedenen EU-Ländern machten zusätzlich mit Baby-Bodies und Fläschchen, gefüllt mit Muttermilch, auf die alarmierenden Belastungen aufmerksam.

Für viele Mütter ist dies eine enorme emotionale Belastung. Beim Stillen geraten sie in einen tiefen Gewissenskonflikt, weil sie befürchten müssen, Schadstoffe an ihre Babys weiterzugeben.

Kinder haben ein Recht auf eine giftfreie Zukunft: Ban PFAS. Now! 

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