Vom Siegeszug zum globalen Albtraum
Während in Brüssel noch über ein Verbot verhandelt wird, hat uns die Realität längst eingeholt, wie diese Beispiele belegen:
Zwijndrecht, Belgien.
Dordrecht, Niederlande.
Veneto, Italien.
Lyon, Frankreich.
Rastatt, Altötting, Manching, Deutschland.
Industrieparks, Chemiefabriken, Flughäfen, Militärliegenschaften – unterschiedliche Orte, gleiche Muster: PFAS im Boden, im Grundwasser, in Flüssen und Seen, in der Luft, im Regen, im Trinkwasser, …
Mehr als 23.000 solcher Orte wurden laut dem Forever Pollution Project allein in Europa bereits erfasst. Über 1.500 davon liegen in Deutschland. Und das gilt nur als Ausschnitt eines Problems, das vielerorts noch gar nicht vollständig untersucht ist.
Die Uhr tickt, denn das Problem ist längst allgegenwärtig – auch in unserem Blut. Doch wo bleibt der globale Aufschrei?
PFAS – per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen – sind das, was die Industrie lange als Fortschritt verkauft hat – wasserabweisend, fettresistent, extrem stabil. Genau diese Eigenschaften machen sie heute zur Hypothek. Denn was nicht zerfällt, bleibt. Im Boden. Im Wasser. Im Körper.
Jetzt will die EU unter der REACH-Verordnung genau diese Stoffe weitgehend beschränken. Und plötzlich wird es laut. Vor allem von Seiten der Industrie.
Dort sind die Argumente konkret: PFAS gelten als funktional entscheidend – in Halbleitern, Beschichtungen, Spezialmaterialien. Ersatzstoffe fehlen oder sind nicht ausreichend erprobt. Ein Verbot könnte Produktionsprozesse gefährden.
Hinzu kommen globale Lieferketten, die kaum vollständig durchschaubar sind. Bauteile bestehen aus einer Vielzahl von Materialien, gefertigt über mehrere Kontinente hinweg. Unternehmen wissen oft selbst nicht genau, wo überall PFAS enthalten sind. Ein Verbot würde ganze Wertschöpfungsketten infrage stellen.
Auch die langen Produktzyklen werden angeführt. In Branchen wie Automobil- oder Medizintechnik dauert es Jahre, bis Produkte entwickelt und zugelassen sind. Ein erzwungener Stoffwechsel kann hohe Kosten verursachen und bestehende Zulassungen entwerten.
Und schließlich wächst die Sorge vor Haftung. Mit strengeren Grenzwerten steigt das Risiko, für Altlasten verantwortlich gemacht zu werden, die lange als zulässig galten.
All das ist real. Und doch nur die halbe Wahrheit. Denn während hier über entstehende Kosten gesprochen wird, werden andere längst bezahlt:
Von Kommunen, die Millionen in Wasseraufbereitung investieren.
Von Verbraucherinnen und Verbrauchern, deren Wasserpreise steigen.
Von Regionen, die mit kontaminierten Böden leben müssen.
Und von einem Gesundheitssystem, das die bereits spürbaren Folgen trägt.
Das ist kein Zielkonflikt. Das ist eine Verschiebung. Gewinne wurden über Jahrzehnte privatisiert. Die Folgekosten werden jetzt sozialisiert.
Und die Politik? Diskutiert, verzögert, relativiert. Auf europäischer Ebene wird verhandelt, während gleichzeitig Ausnahmen formuliert werden. Übergangsfristen werden gestreckt, Regelungen abgeschwächt.
Wertvolle Zeit verstreicht zugunsten der Industrie – aber nicht für Umwelt und Gesundheit. Denn PFAS kennen keine Übergangsfristen. Sie bleiben. Im Wasser. Im Boden. Im Körper. In den Haushalten derer, die sie nie produziert haben. Und bei Verbrauchern, die aufgrund fehlender Deklarationspflicht nicht einmal eine Wahlmöglichkeit haben, sich für PFAS-freie Konsumgüter zu entscheiden.
Also weitermachen wie bisher? Der Wert von Forderungen liegt in deren Umsetzung.
Wir alle sind Zeugen, sehen und wissen, wie Chemikalien unser Wasser verschmutzen. Die Politik zögert, Behörden verschieben Entscheidungen, die Industrie schaut weg – während wir stillhalten und die Rechnung bezahlen sollen?
Hier geht es um weit mehr. Es geht um die Grundlage allen Lebens: Sauberes Wasser. Es geht um Gesundheit, um die Zukunft unserer Kinder und Enkel, um all das, was wir täglich zum Überleben brauchen. Jede Verzögerung, jedes Wegsehen, jedes Schweigen ist Mitwirkung am kollektiven Versagen, mit dem wir den kommenden Generationen als schweres Erbe hinterlassen.
🗣️ Unser Wasser. Unsere Gesundheit. Unser Recht. Stoppt PFAS jetzt!
Quellen: Forever Pollution Project (Last updated in January 2025; except for the figures and texts on the pages of the Map of Forever Pollution, which were last updated in March 2024)

