Das Juni-Hochwasser 2024 hat deutlich gezeigt, welche Bedeutung funktionierende Entwässerungswege und ein regelmäßiger Gewässerunterhalt haben. Auch in Westenhausen und Lindach waren die Tage von großer Sorge geprägt: Evakuierungen wurden vorbereitet, tausende Sandsäcke verbaut und mit massivem Pumpeneinsatz, tatkräftigem Zusammenhalt der Bevölkerung und großer Unterstützung vieler fleißiger Helfer von außerhalb konnte zumindest in Westenhausen Schlimmeres verhindert werden. Die Paar sowie die sonst eher unscheinbare Westenhauser Ach wie Irschinger Ach führten bislang nicht gekannte Wassermengen.
Die Irschinger Ach und die Westenhauser Ach sind Teil eines zusammenhängenden Gewässersystems. Die Gewässer entstehen aus verschiedenen Gräben im Bereich Baar-Ebenhausen, Reichertshofen und des Flugplatzes Manching. Aus Riedelmoosgraben und Kühpicklgraben entsteht die Ach, die nach ihrem weiteren Verlauf zunächst als Westenhauser Ach und später als Irschinger Ach bezeichnet wird, bevor sie in den Wellenbach und weiter Richtung Kleine Donau abfließt.
Im Laufe der Zeit können durch Ablagerungen Teile des Gewässersystems an Abflusskapazität verloren. Die Irschinger Ach wurde deshalb im Nachgang des letzten Hochwassers geräumt. Rund 180 Tonnen Sedimentschlamm wurden aus dem Gewässerbett entfernt. Aufgrund einer PFAS-Belastung des Materials war hierfür eine fachgerechte Entsorgung erforderlich.
Gerade deshalb stellt sich für uns die Frage, wie die weitere Unterhaltung und mögliche Maßnahmen an der Westenhauser Ach bewertet werden. Wichtig ist aus unserer Sicht, dass die Auswirkungen auf das gesamte Gewässersystem berücksichtigt werden und möglicher Handlungsbedarf frühzeitig erkannt wird.
Auch die zuletzt auf die Irschinger Ach beschränkte Fischuntersuchung wirft im Hinblick auf eine einheitliche Betrachtung der Gewässerabschnitte Fragen auf. Aus unserer Sicht wäre es sinnvoll, auch die Westenhauser Ach entsprechend einzubeziehen, zumal sie direkt aus dem Flugplatzgelände austritt, um für beide Gewässerabschnitte vergleichbare Erkenntnisse zu erhalten.
Wir begrüßen den Zusammenschluss von annähernd 40 Gemeinden in der landkreisübergreifenden Arbeitsgemeinschaft „Solidarischer Hochwasserschutz“. Ein geplantes Frühwarnsystem kann künftig dabei helfen, rechtzeitig zu reagieren und Menschen besser zu informieren. Das ist ein wichtiger Schritt. Gleichzeitig darf Hochwasserschutz nicht nur aus Warnung und Reaktion bestehen. Ebenso wichtig bleiben die „vorsorgenden Hausaufgaben vor Ort“, wie der regelmäßige Blick auf unsere Gewässer, die Sicherstellung der Abflussfähigkeit und die rechtzeitige Durchführung notwendiger Schutz- und Unterhaltungsmaßnahmen.
Deshalb unser Anliegen:
- eine ganzheitliche Betrachtung der Gewässerläufe von der Westenhauser bis zur Irschinger Ach,
- eine fachliche Bewertung der Abflussfähigkeit nach den Erfahrungen des Hochwassers 2024,
- die frühzeitige Prüfung und Umsetzung notwendiger Unterhaltungsmaßnahmen,
- ein verantwortungsvoller Umgang mit PFAS-belastetem Material sowie
- eine transparente Information der betroffenen Bürgerinnen und Bürger.
Ein regelmäßiger Blick auf unsere Gewässer und deren Funktion ist ein wichtiger Beitrag zum Schutz unserer Ortsteile. Dabei ist die bestehende PFAS-Belastung eine weitere ernst zu nehmende Herausforderung. Weder PFAS noch irgendein anderer Grund dürfen dazu führen, dass notwendige Prüfungen und Maßnahmen zur Sicherstellung der Gewässerfunktion verzögert werden. Denn gerade vor dem Hintergrund zunehmender Extremwetterereignisse braucht es eine konsequente und transparente Vorgehensweise. Offene Fragen müssen geprüft, Zuständigkeiten geklärt und erforderliche Schritte eingeleitet werden. Abwarten darf nicht zum Prinzip werden. Vorsorge bedeutet, heute zu handeln, um morgen Risiken zu vermeiden.

