PFAS-Problem erfordert Handeln an der Quelle

Neues Briefing des EU-Parlaments beleuchtet Ausmaß, Risiken und die geplante EU-weite PFAS-Beschränkung

Das Europäische Parlament hat im Juli 2026 ein neues Briefing zu Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) veröffentlicht. Unter dem Titel „Per- and polyfluoroalkyl substances – Tackling ‘forever’ chemical pollution“ beschreibt der European Parliamentary Research Service (EPRS) die wachsende Belastung von Umwelt und Bevölkerung durch die sogenannten „Forever Chemicals“.

Die Aussagen des Briefings sind bemerkenswert deutlich: PFAS sind aufgrund ihrer hohen Persistenz und Mobilität inzwischen nahezu überall in der Umwelt nachweisbar. Eine Sanierung bereits belasteter Böden und Gewässer ist technisch schwierig und mit erheblichen Kosten verbunden. Deshalb wird die Vermeidung weiterer PFAS-Emissionen an der Quelle als die nachhaltigste Strategie bezeichnet.

Mehr als 10.000 PFAS im Blick

Das EPRS stellt zugleich fest, dass eine Regulierung einzelner PFAS angesichts der großen Zahl dieser Stoffe nicht ausreicht. Das derzeitige REACH-Beschränkungsdossier umfasst mehr als 10.000 PFAS. Eine Regulierung als Stoffgruppe soll verhindern, dass problematische PFAS lediglich durch andere, bislang weniger untersuchte PFAS ersetzt werden.

Gerade diese Frage ist von grundsätzlicher Bedeutung: Ein Verbot einzelner bekannter Stoffe darf nicht dazu führen, dass die Belastung lediglich auf andere PFAS verlagert wird. Eine wirksame Regulierung muss deshalb die gesamte Stoffgruppe in den Blick nehmen.

PFAS sind kein Problem einzelner Standorte

Für die PFAS-Belastung an Standorten wie Manching ist besonders relevant, dass das Briefing PFAS-haltige Feuerlöschschäume und militärische Standorte ausdrücklich im Zusammenhang mit hohen PFAS-Belastungen von Boden und Grundwasser nennt.

Manching steht dabei jedoch nur beispielhaft für ein wesentlich größeres Problem. PFAS sind kein reines Altlastenproblem und auch kein Problem einzelner Regionen. Sie können entlang ihres gesamten Lebenszyklus in die Umwelt gelangen – von Herstellung und Verarbeitung über die Verwendung von Produkten bis hin zu Abwasser, Abfällen und deren Behandlung.

Damit muss die PFAS-Problematik auch unabhängig von bekannten Schadensfällen betrachtet werden. Selbst wenn ein einzelner belasteter Standort vollständig saniert würde, könnten an anderer Stelle weiterhin neue PFAS-Einträge entstehen.

Sanierung bleibt notwendig – reicht aber nicht aus

Das EPRS beschreibt die Sanierung von PFAS-Belastungen als technisch anspruchsvoll. Viele bestehende Verfahren sind nur eingeschränkt geeignet; häufig sind neue Technologien oder Kombinationen verschiedener Verfahren erforderlich.

Damit wird ein Punkt deutlich, den auch wir immer wieder betonen: Die Sanierung bestehender Belastungen ist notwendig. Sie kann aber die Vermeidung weiterer PFAS-Emissionen nicht ersetzen.

Das Problem muss deshalb an beiden Enden durch konsequente Sanierung bereits kontaminierter Standorte und gleichzeitig durch eine wirksame Begrenzung neuer PFAS-Einträge angegangen werden.

Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Gesellschaft dauerhaft mit den Kosten und der Beseitigung einer Belastung beschäftigt ist, während gleichzeitig neue Belastungen entstehen.

Schutz von Wasser und Trinkwasserressourcen

Besonders wichtig ist dabei der Schutz von Grund- und Oberflächenwasser. Aufgrund ihrer hohen Persistenz und Mobilität können PFAS über verschiedene Wege in Gewässer und Grundwasser gelangen.

Damit ist PFAS nicht nur eine Frage des Bodenschutzes, sondern auch eine Frage der langfristigen Sicherung unserer Wasserressourcen. Die Aufbereitung von PFAS-belastetem Wasser kann aufwendig und kostenintensiv sein.

Prävention an der Quelle ist deshalb auch aus Sicht der Daseinsvorsorge von entscheidender Bedeutung. Es ist sinnvoller, neue Einträge möglichst zu verhindern, als später mit großem technischen und finanziellen Aufwand zu versuchen, PFAS wieder aus Wasser und Umwelt zu entfernen.

Wer trägt die Kosten der PFAS-Belastung?

Mit der zunehmenden Verbreitung von PFAS stellt sich auch eine politische und gesellschaftliche Kostenfrage. Die Folgen der PFAS-Nutzung können langfristige Kosten verursachen – etwa für Monitoring, Trinkwasseraufbereitung, Abfallbehandlung, Bodensanierung und die Sanierung belasteter Gewässer.

Diese Kosten dürfen nicht allein bei Kommunen, Wasserversorgern, Grundstückseigentümern oder letztlich bei der Allgemeinheit hängen bleiben. Aus unserer Sicht muss deshalb das Verursacherprinzip stärker berücksichtigt werden. Wer PFAS verwendet oder in Verkehr bringt, muss auch stärker für die daraus entstehenden Risiken und Folgekosten Verantwortung übernehmen.

PFAS-Beschränkung geht in die entscheidende Phase

Die von Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Norwegen und Schweden eingebrachte Beschränkung umfasst mehr als 10.000 PFAS. Die zuständigen ECHA-Ausschüsse unterstützen grundsätzlich eine Beschränkung als geeignete regulatorische Maßnahme.

Die endgültige Stellungnahme des Ausschusses für sozioökonomische Analyse (SEAC) soll bis Ende 2026 vorliegen. Anschließend wird die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) ihre Stellungnahmen an die Europäische Kommission übermitteln. Danach folgt das weitere politische Verfahren unter REACH.

Für uns ist deshalb entscheidend, dass die europäische Diskussion nicht bei einzelnen Stoffen stehen bleibt. PFAS müssen als Stoffgruppe betrachtet werden. Gleichzeitig müssen Ausnahmen nachvollziehbar, wissenschaftlich begründet, möglichst zeitlich begrenzt und an klare Bedingungen geknüpft sein. Wo sichere Alternativen vorhanden sind, sollte eine weitere Verwendung von PFAS nicht mit pauschalen Verweisen auf vermeintliche Notwendigkeiten begründet werden.

Vermeidung von PFAS-Ersatzstoffen mit demselben Problem

Eine zentrale Herausforderung jeder Regulierung ist die Vermeidung einer bloßen Verlagerung. Wenn ein problematischer PFAS durch einen anderen PFAS ersetzt wird, dessen Eigenschaften und langfristige Auswirkungen noch weniger untersucht sind, ist damit wenig gewonnen.

Die entscheidende Frage darf deshalb nicht nur lauten: „Ist dieser einzelne PFAS ausreichend untersucht?“ Sie muss vielmehr lauten: „Ist die Verwendung dieser gesamten Stoffgruppe für diese Anwendung tatsächlich erforderlich – und gibt es eine sichere Alternative?“ Genau deshalb ist ein gruppenbezogener Ansatz so wichtig.

Monitoring muss mit der Dimension des Problems Schritt halten

Auch das Monitoring muss weiterentwickelt werden. Das EPRS weist darauf hin, dass belastbare gesundheitliche Daten derzeit nur für einen kleinen Teil der Tausenden PFAS vorliegen. Das zeigt eine grundlegende Schwierigkeit: Was nicht untersucht wird, kann auch nicht umfassend bewertet werden.

Für belastete Regionen bedeutet dies, dass Monitoring und Forschung mit der tatsächlichen Dimension des PFAS-Problems Schritt halten müssen. Dabei sollte der Blick nicht ausschließlich auf bereits bekannte Altlasten gerichtet werden. Notwendig ist vielmehr ein langfristiges und systematisches Monitoring von Umweltmedien wie Grund- und Oberflächenwasser, Böden und – soweit relevant – weiteren Eintragspfaden.

PFAS sind auch ein Abfall- und Lebenszyklusproblem

PFAS verschwinden nicht dadurch, dass ein Produkt das Ende seiner Nutzungsdauer erreicht. Auch Abwasser, Klärschlämme, Abfälle und deren Behandlung können Teil des Problems sein. Deshalb muss die Regulierung den gesamten Lebenszyklus PFAS-haltiger Produkte berücksichtigen.

Eine nachhaltige Strategie darf nicht nur die Produktion oder die Verwendung betrachten, sondern muss auch die Frage beantworten, was mit PFAS-haltigen Materialien am Ende ihrer Lebensdauer geschieht.

Europa braucht eine gemeinsame Strategie

PFAS machen nicht an Länder- oder Gemeindegrenzen halt. Belastungen von Wasser, Böden und Umwelt können sich über unterschiedliche Eintragspfade über Regionen und Staaten hinweg ausbreiten. Deshalb reicht es nicht aus, wenn einzelne Mitgliedstaaten oder Regionen versuchen, das Problem jeweils für sich zu lösen.

Eine europaweit einheitliche Regelung schafft nicht nur einen besseren Umweltschutz, sondern verhindert auch, dass unterschiedliche nationale Vorgaben zu einer Verlagerung von Produktion und Belastungen führen.

Was wir aus Manching lernen müssen

Manching zeigt beispielhaft, welche langfristigen Herausforderungen PFAS verursachen können: Belastete Böden und Gewässer, aufwendiges Monitoring, schwierige Sanierungsfragen und eine Verantwortung, die weit über den Zeitpunkt der ursprünglichen Verwendung hinausreicht. Die Schlussfolgerung daraus darf jedoch nicht sein, dass jeder Standort sein PFAS-Problem isoliert lösen muss.

Was wir aus Manching lernen, muss für ganz Europa gelten: PFAS-Einträge müssen möglichst an der Quelle verhindert werden, bereits entstandene Belastungen müssen konsequent saniert und die Umwelt dauerhaft überwacht werden.

Das neue EPRS-Briefing zeigt deutlich: PFAS sind längst kein Problem einzelner Standorte oder einzelner Stoffe mehr. Es geht um eine europaweite Belastung von Wasser, Böden und Ökosystemen – und um die langfristige Verantwortung gegenüber kommenden Generationen. Für uns bestätigt das die Notwendigkeit, Sanierung, Forschung, umfassendes Monitoring, das Verursacherprinzip und eine konsequente Vermeidung weiterer PFAS-Einträge zusammenzudenken.

Denn die wichtigste Sanierung ist die, die gar nicht erst notwendig wird.

🇪🇺 Zum vollständigen Briefing des Europäischen Parlaments

Titelgrafik: KI-gestützte Illustration, redaktionell gestaltet von IG NO PFAS Manching

Quelle: Briefing des Europäischen Parlaments / Per- and polyfluoroalkyl substances – Tackling ‘forever’ chemical pollution / European Parliamentary Research Service (EPRS), Juli 2026, PE 791.444, veröffentlicht auf der offiziellen Website des Europäischen Parlaments.

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