PFAS im Blut

Was bedeuten erhöhte PFOA- und PFOS-Werte für die Gesundheit?

Im Zuge der Debatte über ein mögliches EU-weites Verbot von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) haben sich mehrere europäische und deutsche Spitzenpolitiker freiwillig auf diese Verbindungen testen lassen. Die Laboranalysen wiesen bei allen Teilnehmern verschiedene PFAS-Konzentrationen im Blut nach. Damit fragen sich viele Menschen, ob eine mögliche PFAS-Belastung Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben könnte.

Blutuntersuchungen können zeigen, ob PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) im Körper vorhanden sind und in welcher Konzentration sie vorliegen. Die Ergebnisse werfen jedoch häufig neue Fragen auf: Sind die gemessenen Werte ungewöhnlich? Besteht ein Gesundheitsrisiko? Und was kann man selbst tun?

Dieser Beitrag soll helfen, Laborwerte besser einzuordnen und den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand verständlich zusammenzufassen.

Was sind PFAS?

Die gesundheitlichen Auswirkungen einer langjährigen PFAS-Belastung wurden u. a. im Rahmen des C8 Health Projects untersucht. Die Studie entstand nach einer großflächigen Trinkwasserkontamination mit PFOA in den US-Bundesstaaten West Virginia und Ohio und gilt als eine der größten Untersuchungen zu den Auswirkungen einer einzelnen Umweltchemikalie auf den Menschen. Dabei wurden Daten und Blutproben von rund 69.000 betroffenen Anwohnern untersucht und ausgewertet.

Aufgrund ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften finden/fanden sie sich u. a. in Feuerlöschschäumen, Outdoor- und Funktionskleidung, beschichteten Verpackungen, industriellen Anwendungen sowie diversen Alltagsprodukten. Viele PFAS sind äußerst langlebig und werden in der Umwelt nur sehr langsam abgebaut.

Warum haben fast alle Menschen PFAS im Blut?

PFAS sind mittlerweile weltweit verbreitet. Die Stoffe können über verschiedene Wege in den Körper gelangen, wie u. a. Trinkwasser, Lebensmittel, Hausstaub, Luft und Umwelt sowie Verbraucherprodukte.

Selbst Menschen ohne bekannte Belastungsquelle weisen daher häufig messbare PFAS-Konzentrationen im Blut auf. Ein Nachweis von PFAS im Blut bedeutet also zunächst nicht automatisch, dass eine gesundheitliche Schädigung vorliegt.

Warum bleiben PFAS so lange im Körper?

Nach der Aufnahme binden sich viele PFAS an Eiweiße im Blut und werden nur langsam ausgeschieden. Je nach Verbindung beträgt die durchschnittliche Halbwertszeit mehrere Jahre, so bei PFOA ca. 2 – 4 Jahre, bei PFOS ca. 4 – 6 Jahre. Selbst wenn keine weitere Belastung erfolgt, sinken die Blutwerte deshalb meist nur langsam.

PFAS-HBM-Werte im Überblick

Zur gesundheitlichen Bewertung von PFAS im Blut werden in Deutschland die Human-Biomonitoring-Werte (HBM-Werte) der Human-Biomonitoring-Kommission beim Umweltbundesamt herangezogen.

PFOA und PFOS im Blutplasma

Die HBM-Werte beziehen sich auf Konzentrationen im Blutplasma. Laborergebnisse sollten daher nur mit den entsprechenden Referenzwerten verglichen werden.

StoffHBM-IHBM-II ErwachseneHBM-II Frauen im gebärfähigen Alter / Schwangere
PFOA2 µg/L10 µg/L5 µg/L
PFOS5 µg/L20 µg/L10 µg/L

Bedeutung der HBM-Werte

🟢 Unter HBM-I: Nach aktuellem Wissensstand ist keine gesundheitliche Beeinträchtigung zu erwarten.

🟡 Zwischen HBM-I und HBM-II: Erhöhte Belastung. Beobachtung und Ursachenklärung können sinnvoll sein.

🔴 Über HBM-II: Belastung liegt in einem Bereich, bei dem eine weitergehende Bewertung und die Prüfung möglicher Expositionsquellen empfohlen werden.

Weshalb gelten für Schwangere strengere Werte?

PFAS können die Plazenta passieren und auf das ungeborene Kind übertragen werden. Nach der Geburt ist zudem eine Weitergabe über die Muttermilch möglich. Deshalb werden Frauen im gebärfähigen Alter und Schwangere vorsorglich mit strengeren Bewertungsmaßstäben beurteilt.

Können erhöhte PFAS-Werte krank machen?

Die Wissenschaft untersucht PFAS seit vielen Jahren intensiv. Studien haben bei höheren Belastungen Zusammenhänge beschrieben mit erhöhten Cholesterinwerten, Veränderungen bestimmter Leberwerte, Auswirkungen auf das Immunsystem, verminderter Wirksamkeit einzelner Impfungen, möglichen Auswirkungen auf Fruchtbarkeit und Schwangerschaft sowie möglichen Entwicklungsbeeinträchtigungen bei Kindern.

Ein erhöhter PFAS-Blutwert bedeutet nicht automatisch, dass eine Erkrankung vorliegt oder entstehen wird. Die individuelle gesundheitliche Bedeutung hängt von vielen Faktoren ab und sollte immer im Zusammenhang mit Alter, Vorerkrankungen und weiteren Risikofaktoren betrachtet werden.

Besondere Bewertung

  • von Perfluoroctansäure (PFOA)

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO hat PFOA im Jahr 2023 als „krebserregend für den Menschen“ (Gruppe 1) eingestuft. Diese Einstufung bedeutet, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen PFOA und Krebs wissenschaftlich ausreichend belegt ist. Die Bewertung stützt sich auf Erkenntnisse aus Tierstudien, epidemiologischen Untersuchungen beim Menschen sowie auf mechanistische Daten zu biologischen Wirkungen von PFOA.
Statistische Untersuchungen realer Krankheitsverläufe in der Bevölkerung zeigten beim Menschen ein erhöhtes Risiko für Nieren- und Hodenkrebs. In der Europäischen Union gilt die Industriechemikalie zusätzlich als fortpflanzungsgefährdend.
Die Herstellung, das Inverkehrbringen und die Verwendung von PFOA und ihren Salzen sind durch die Stockholmer Konvention seit 2020 weltweit verboten; innerhalb der Europäischen Union wird dieses Verbot durch die europäische POP-Verordnung durchgesetzt.

Wichtig: Die Einstufung beschreibt die Stärke des wissenschaftlichen Nachweises, nicht das individuelle Erkrankungsrisiko einer einzelnen Person. Aus einem erhöhten PFOA-Blutwert allein lässt sich daher keine Aussage über das persönliche Krebsrisiko ableiten.
Die Stoffgruppe PFAS umfasst mehrere tausend verschiedene Verbindungen. Die IARC-Einstufung bezieht sich speziell auf PFOA und kann nicht pauschal auf alle PFAS übertragen werden.

  • von Perfluoroctansulfonsäure (PFOS)

Auch PFOS gehört zur Gruppe der PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) und zählt zu den am besten untersuchten PFAS-Verbindungen. Aufgrund seiner hohen Beständigkeit wird PFOS in der Umwelt und im menschlichen Körper nur sehr langsam abgebaut.

PFOS wurde über viele Jahre u. a. in Feuerlöschschäumen, der Textil- und Papierbehandlung sowie in verschiedenen industriellen Anwendungen eingesetzt. Besonders der Einsatz PFOS-haltiger Löschschäume auf Flughäfen, Militärstandorten und Übungsgeländen hat in vielen Regionen, wie bei uns in Manching und Neuburg, zu Boden-, Grund- Oberflächenwasserbelastungen geführt.

Wissenschaftliche Studien weisen auf mögliche Auswirkungen auf das Immunsystem sowie auf entwicklungsbezogene Risiken hin. Aufgrund seiner Persistenz und seines Gefährdungspotenzials wurde PFOS 2009 in die Stockholm Convention on Persistent Organic Pollutants aufgenommen und international weitgehend beschränkt.

Sollte ich einen Bluttest machen lassen?

Für Menschen ohne besondere Belastung wird ein routinemäßiger Test derzeit nicht allgemein empfohlen. Ein PFAS-Bluttest kann sinnvoll sein, wenn eine bekannte Belastung im Wohnumfeld vorliegt, belastetes Trinkwasser genutzt wurde, beruflicher Kontakt zu PFAS bestand bzw. ein Arzt oder eine Behörde eine Untersuchung empfiehlt.

Was kann ich tun, wenn meine Werte erhöht sind?

Zunächst gilt: Ruhe bewahren. PFAS-Werte verändern sich nur langsam und ein einzelner Laborwert erlaubt keine Aussage über zukünftige Erkrankungen. Als sinnvoll erachtet werden ärztliche Beratung, Identifizierung möglicher Belastungsquellen, Beachtung der Empfehlungen der Gesundheitsbehörden, Vermeidung von belastetem Trinkwasser, sofern entsprechende Hinweise vorliegen, sowie Verlaufskontrollen beim behandelnden Arzt.

Ist PFAS im Blut grundsätzlich gefährlich?

Messbare PFAS-Werte finden sich heute bei einem großen Teil der Bevölkerung. Nach derzeitigem Wissensstand sind entscheidend die Höhe der Belastung, die Dauer der Exposition und die individuelle Situation. Aus epidemiologischen Studien sind bei höheren PFAS-Konzentrationen verschiedene statistische Zusammenhänge beschrieben worden. Dazu zählen u. a. Veränderungen von Cholesterinwerten, Leberparametern sowie Hinweise auf Effekte auf das Immunsystem. Auch mögliche Auswirkungen auf Fruchtbarkeit und die Entwicklung von Kindern, sowie Zusammenhänge mit diversen Krebsarten werden wissenschaftlich untersucht.

Diese Beobachtungen bedeuten jedoch nicht, dass erhöhte Blutwerte zwangsläufig zu Erkrankungen führen. Die Datenlage ist komplex und die individuelle gesundheitliche Bedeutung hängt von vielerlei Faktoren ab.

Kann man PFAS aus dem Körper entfernen?

Derzeit gibt es keine wissenschaftlich anerkannte Methode, PFAS gezielt aus dem Körper zu entfernen. Nach Wegfall der Belastungsquelle sinken die Werte meist langsam über mehrere Jahre.

In Studien konnten Gallensäurebinder wie Cholestyramin oder Colesevelam die Ausscheidung bestimmter PFAS erhöhen und die Blutwerte senken. Diese Medikamente sind jedoch nicht speziell zur PFAS-Behandlung zugelassen und sollten ausschließlich nach ärztlicher Rücksprache eingesetzt werden.
Studien deuten zudem darauf hin, dass regelmäßige Blutverluste – beispielsweise durch die Menstruation – zu niedrigeren PFAS-Blutkonzentrationen bei Frauen beitragen können. Dies gilt als eine mögliche Erklärung dafür, dass Frauen vor den Wechseljahren im Durchschnitt häufig geringere PFAS-Blutwerte aufweisen als Männer.

PFAS in Schwangerschaft & Stillzeit

Da PFAS die Plazenta passieren und über die Muttermilch weitergegeben werden können, gelten für Schwangere strengere Bewertungsmaßstäbe. Dennoch empfehlen internationale Gesundheitsorganisationen wie World Health Organization (WHO) und UNICEF weiterhin das Stillen, da der gesundheitliche Nutzen des Stillens nach aktuellem Wissensstand überwiegt.

Werden die Grenzwerte künftig verändert?

Mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen werden Richt- und Bewertungswerte regelmäßig überprüft und gegebenenfalls angepasst.

Einordnung der Ergebnisse

Ein einzelner Laborwert sollte immer im Gesamtkontext betrachtet werden – einschließlich möglicher Expositionsquellen, der persönlichen Lebenssituation sowie weiterer gesundheitlicher Risikofaktoren. Die wissenschaftliche Forschung zu PFAS entwickelt sich kontinuierlich weiter und liefert zunehmend genauere Erkenntnisse über die langfristigen Auswirkungen.

PFAS im Blut – kein Grund zur Panik

PFAS sind heute weltweit verbreitet und bei einem großen Teil der Bevölkerung nachweisbar. Ein erhöhter Blutwert bedeutet nicht automatisch, dass eine Erkrankung vorliegt oder entstehen wird. Entscheidend sind die Höhe der Belastung, die Dauer der Exposition und die individuelle gesundheitliche Situation.

An wen kann ich mich wenden?

Bei Fragen zu PFAS-Blutwerten helfen Hausärzte, Gesundheitsämter und Umweltmediziner. Zusätzlich für Bayern das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und bundesweit das Umweltbundesamt (UBA).

📚 Quellen

Hinweis: Diese Information ersetzt keine medizinische Beratung. Bei individuellen Blutwerten wenden Sie sich bitte an medizinisches Fachpersonal.

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